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Warum du vorsichtig mit Breitbandantibiotika sein solltest.

Ein Breitbandantibiotikum ist ein Antibiotikum, das mit seiner antibakteriellen Wirkung mehr als einen Erreger bekämpft. Es kommt oftmals dann zum Einsatz, wenn dein Arzt noch nicht genau weiß, welchen Erreger genau du in dir trägst. In diesem Beitrag erfährst du:

  • Warum der Einsatz von Antibiotika oft gar nicht notwendig ist.
  • Wie ein Breitbandantibiotikum dir auf Dauer schaden kann.
  • Was du über Resistenzen wissen solltest.
  • Was du bei der Einnahme eines Breitbandantibiotikums beachten musst.
  • Welche Antibiotika in die Reiseapotheke gehören.

Warum der Einsatz von Antibiotika oft gar nicht notwendig ist.

Antibiotika begegnen uns viel zu häufig. Ursprünglich wurden sie zur effektiven Behandlung bakterieller Infektionen entwickelt. Mittlerweile haben sie den Weg in unseren Alltag gefunden, denn viel zu oft wird gegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit ein Antibiotikum verschrieben. Es soll zum Rundumschlag gegen die Infektion ausholen. Allerdings ist bekannt, dass nur jeder zehnte Erkältungsinfekt von Bakterien verursacht wird. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Wirkung des Antibiotikums in 90 Prozent der Fälle gar nicht anschlagen kann. Und man seinem Organismus ganz umsonst mit dem Medikament belastet hat.

Wie ein Breitbandantibiotikum dir auf Dauer schaden kann.

In manchen Fällen kann die Einnahme von Antibiotika zum Beispiel zu allergischen Reaktionen führen. Vor allem das sogenannte Mikrobiom im Darm kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Dazu zählen alle Bakterien, die für die Verdauung und die Nahrungsverwertung zuständig sind. Neben den Erregern der Krankheit bekämpft das Breitbandantibiotikum nämlich auch viele nützliche Bakterien im Körper. Als Nebenwirkung kann es zum Beispiel zu Magen-Darm-Beschwerden, Schäden an den Schleimhäuten oder Juckreiz während der Einnahme kommen.

Was du über Resistenzen wissen solltest.

Wenn Bakterien immer unempfindlicher gegenüber Antibiotika werden, spricht man von einer Antibiotika-Resistenz. Das hat schlimme Folgen: Medikamente, auf deren Wirkung man sich bisher verlassen konnte, wirken dann nicht mehr! Bisher als harmlos oder zumindest gut behandelbare geltende Infektionen können dann sogar lebensbedrohlich werden. So entstandene resistente Keime sind eine große Gefahr für Leute mit einem schwachen Immunsystem. Das betrifft vor allem Kinder, ältere Menschen oder Patienten, die eine Chemotherapie machen. Ein Antibiotikum-resistentes Bakterium kann für Krankenhäuser und deren Patienten zur großen Gefahr werden, da das Medikament gegen das Bakterium seine Wirkung verliert. Ein Beispiel hierfür ist der als Krankenhauskeim bekannte MRSA-Erreger, an dem in Deutschland jährlich im Durchschnitt mehrere Tausend Menschen sterben.

Resistenzen: eine Gefahr für die ganze Gesellschaft.

Der ungezielte Einsatz von Antibiotika kann so genannte Resistenzen verursachen. Du schadest mit einer unnötigen Einnahme also nicht nur dir selbst, sondern im schlimmsten Fall uns allen. Ganz wichtig: Nimm niemals ein Antibiotikum, das nicht dir, sondern einem anderen Patienten verschrieben wurde! Das unterstützt die Bildung von Resistenzen zusätzlich.

Was du bei der Einnahme eines Breitbandantibiotikums beachten musst.

Die Dosierung muss je nach Ausprägung der bakteriellen Infektion sehr genau gewählt werden. Niemals darf ein Antibiotikum vor Ende der verschriebenen Einnahmezeit abgesetzt werden. Auch nicht, wenn du dich schon während der Therapie besser fühlst. Dadurch kann sich der Wirkstoff nicht richtig entfalten. Beachte bitte ebenfalls, dass Antibiotika die Wirkung von anderen Medikamenten stören können. Zum Beispiel wirkt in vielen Fällen dann die Antibabypille nicht.

Dr. Angela Nachtigall von der KNAPPSCHAFT und Expertin in Sachen Antibiotika weiß: “Ein Breitbandantibiotikum soll schwere bakterielle Infektionen im Körper effektiv bekämpfen. Ein Breitbandantibiotikum ist praktisch ein Killer für viele verschiedene Bakterien. Es wirkt nicht spezifisch auf einzelne Erreger. Wird einem Patienten ein Tetracyclin wie beispielsweise Doxycyclin oder ein Penicillin wie z.B. Amoxicillin verschrieben, kann es passieren, dass diese mehr als nur die Krankheitserreger abtöten. Auch hilfreiche Bakterien des Magen-Darm-Trakts, also die nützlichen Bakterien der Darmflora können möglicherweise getötet werden.”

“Je genauer die Diagnose, desto besser”, betont Dr. Nachtigall. Wenn du ein Antibiotikum brauchst, ist es in vielen Fällen besser, ein passgenaues Medikament einzusetzen. Es greift nur den Erreger an, der dich krank gemacht hat. Diese Medikamente nennt man “Schmalspektrum-Antibiotika” Hilf deinem Arzt deswegen so gut wie möglich, herauszufinden, was genau mit dir nicht stimmt. Dann hat er die größte Chance, die richtige Medizin für dich zu finden.

Wenn du mehr über den sicheren Umgang mit Antibiotika erfahren willst, dann schau doch mal hier.

Welche Antibiotika in die Reiseapotheke gehören.

Noch ein Wort zur Reiseapotheke. Auch wenn man hier gerne mal auf Nummer sicher gehen möchte, ein Antibiotikum, sollte nicht mit auf Tour gehen. Auf Reisen in ferne Länder, vor allem Asien oder Südamerika, kommt der Körper nicht umhin, sich über die Nahrung auch mit für ihn fremden Bakterien einzulassen. Eine Reisediarrhö ist da meist nicht zu vermeiden. Abhilfe können hier Elektrolytlösungen (rezeptfrei in der Apotheke erhältlich) schaffen oder die kurzzeitige Einnahme eines Mittels mit dem Wirkstoff Loperamid. Bei einem schweren Verlauft hilft der Gang zum lokalen Doktor.

Weitere Informationen zu Antibiotika, deren Risiken und bei welchem Symptom sie zur Behandlung zum Einsatz kommen sollten, bekommst du bei deinem Hausarzt. Er erklärt dir alles ganz genau: Art und Dauer der Einnahme und mögliche Nebenwirkungen. Außerdem erklärt er dir ganz genau, wie du dich verhalten musst, damit das Antibiotikum am besten wirken kann.

Dir wurde bereits ein Antibiotikum verschrieben und du hast offene Fragen, aber keine Zeit noch mal zum Arzt zu gehen? Dann nutz doch den Ärzte-Videochat der KNAPPSCHAFT.