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Wir geben dir Tipps, die dich im Arbeitsalltag entlasten.

Wenn wir von psychischer Belastung auf der Arbeit sprechen, denken die meisten von uns sicherlich an den Stress im Büro. Das ist durchaus richtig, denn es gibt viele Faktoren, die uns im Arbeitsalltag bedrücken und im schlimmsten Fall zu einer Belastung werden. Dass Menschen, die im Homeoffice arbeiten, noch stärker unter psychischen Belastungen leiden als ihre Kollegen im Büro, ist für viele vielleicht neu. Und doch ist es wahr. Erfahr hier, wie es dazu kommt und was du dagegen tun kannst, wenn du selbst von psychischem Stress betroffen bist.

  • Büroalltag – eine psychische Belastungsprobe.

  • Homeoffice – Fluch und Segen zugleich.

  • Tipps zur Entlastung bei seelischer Unruhe im Arbeitsalltag.

Büroalltag − eine psychische Belastungsprobe.

Den Alltag im Büro empfinden Arbeitnehmer oft als stressig: Der Geräuschpegel in Großraumbüros wirkt auf viele Menschen störend und lässt die Konzentration schwinden. Mal klingelt das Telefon, mal quatschen Kollegen dazwischen. Dann kommen noch Aufgaben rein, die möglichst schnell erledigt werden müssen. Wir stehen unter Strom und können unser Stressempfinden kaum steuern. Häufig übergehen wir die Stresssignale oder, schlimmer noch, versuchen sie mit Selbstvorwürfen und strengem Umgang mit uns selbst zu beseitigen. Wenn die psychische Belastung länger auf uns einwirkt, macht sie sich dann oft mit körperlichen Beschwerden wie Magenbeschwerden, Migräneanfällen oder Schlafstörungen bemerkbar. Eine länger anhaltende Stressüberlastung kann der Organismus nicht ausgleichen und wird krank.

Zudem können zusätzliche Stressfaktoren wie Mobbing am Arbeitsplatz oder ein unzufriedener Chef dazukommen. Sie verstärken die seelische Belastung noch. Arbeitnehmer haben Angst, Fehler zu machen und die Situation zu verschlimmern, was wiederum zu noch mehr Druck führt. Es ist wichtig, diesen Teufelskreis so schnell wie möglich zu erkennen und zu stoppen. Einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag können Präventionskurse bieten: zum Beispiel der Kurs ABJETZT/YOGA, den Versicherte der KNAPPSCHAFT kostenlos nutzen können. Solche Kurse helfen den Teilnehmern, sich Entspannungsübungen anzueignen, die sie überall und jederzeit anwenden können. Außerdem fördern sie die Achtsamkeit für sich selbst, ein wichtiger Faktor zum Schutz vor Burn-out.

Der Arbeitgeber steht zudem im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes seit 2013 in der Pflicht, sich um das Wohlergehen seiner Mitarbeiter zu kümmern. Ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz, ausreichende Besetzung und Vertretung in Krankheitsfällen sowie gutes Zeitmanagement gehören dazu. Außerdem ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen – unabhängig von der Betriebsgröße. In dieser Beurteilung protokolliert der Arbeitgeber beispielsweise die psychische Belastung seiner Mitarbeiter. So kann er Maßnahmen ergreifen, falls psychischer Stress vorliegt. Doch wie ist es, wenn all diese Stressfaktoren wegfallen, die Belastung aber bleibt?

Homeoffice – Fluch und Segen zugleich.

Eine Umfrage aus dem Jahr 2018 ergab, dass Menschen, die im Homeoffice arbeiten, öfter unter psychischer Belastung leiden als ihre Kollegen im Büro. Doch wie kommt das? Schließlich sind sie nicht dem Stress des Büroalltags ausgesetzt: Sie können in ruhiger, gewohnter Atmosphäre arbeiten und sich dadurch besser konzentrieren. Sie sparen sich die Zeit, die sie sonst für den Arbeitsweg aufbringen müssten und können ihre Arbeitszeit selbst einteilen. Nebenbei können sie sich sogar noch um andere Dinge zu Hause kümmern, die sonst liegen bleiben würden. Zum Beispiel die Spülmaschine einräumen oder die Waschmaschine anstellen.

Homeoffice hört sich toll an und hat auch tatsächlich Vorteile. Und doch gibt es einen Haken. Denn viele Menschen, die im Homeoffice tätig sind, beklagen das fehlende Gemeinschaftsgefühl mit den Kollegen. „Der kleine Plausch zwischendurch, ein nettes Hallo und die Frage nach dem Wochenende fördern das soziale Wohlbefinden“, sagt Dr. Anke Valkyser, Leitende Ärztin an der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Knappschaftskrankenhaus Lütgendortmund und Expertin der KNAPPSCHAFT. „Fällt die Interaktion zu anderen weg, vereinsamen Menschen auf Dauer. Das ständige Alleinsein schlägt aufs Gemüt und eine grundlegende Demotivation schleicht sich ein, die sich auch auf die Arbeit niederschlägt.“

Kurzfristige Auswirkungen und langfristige Folgen von psychischem Stress.

kurzfristig

– Unruhe

– Anspannung

– Nervosität

– Gereiztheit

– Erschöpfung

– Konzentrationsschwierigkeiten

langfristig

– psychosomatische Erkrankungen
(zum Beispiel Magenentzündung oder Kopfschmerzen)

– Schlafstörungen

– Depression

– Panikstörung

Hinzu kommt ein schlechter Informationsfluss. Auch wenn man im Homeoffice über Telefon und E-Mail erreichbar ist, tauschen sich Kollegen gern schon mal zwischen Tür und Angel kurz aus. Der Kollege im Homeoffice bleibt da außen vor. Das Gefühl, nicht gebraucht zu werden oder nicht wichtig genug zu sein, kann zu einer psychischen Belastung werden. Denn es fehlt die Anerkennung und somit die Belohnung für die Arbeit.

Zunehmend verschwimmt auch die Grenze zwischen Privat und Arbeit. Es gibt keinen richtigen Abschalt-Punkt, an dem der Arbeitsplatz verlassen wird und der Feierabend beginnt. Arbeitnehmer beklagen oft, dass sie das Gefühl haben, nie richtig abschalten zu können. Sie sind erschöpft.

Ortswechsel in der Mittagspause und nach Feierabend sind wichtig, um gedanklich von der Arbeit Abstand zu bekommen. Gönnen wir uns über einen langen Zeitraum nicht die nötige Erholung, kann die psychische Belastung uns ernsthaft krank machen. Im schlimmsten Fall können wir unserem Job wegen des schlechten seelischen Befindens nicht mehr nachgehen.

Dr. Anke Valkyser

Expertin der KNAPPSCHAFT, Leitende Ärztin der Psychiatrischen Institutsambulanz in der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Knappschaftskrankenhaus Lütgendortmund

Pro Homeoffice

– niedriger Geräuschpegel

– höhere Konzentration

– Zeitersparnis durch fehlende Anfahrt

– gleichzeitig um andere Dinge kümmern

Contra Homeoffice

– fehlende Interaktion mit Kollegen

– schlechter Informationsfluss

– fehlendes Gemeinschaftsgefühl

– kaum Anerkennung

– kein Abstand vom Arbeitsplatz

Psychische Belastung ist in Heimarbeit genauso gegeben, auch wenn sie eine andere ist als im Büro. Deshalb solltest du dafür sensibilisiert sein und in dich hinein horchen: Achte auf dein Gemüt und auf mögliche Veränderungen deiner Stimmung. Nimm auch deinen Körper wahr: Ist er häufig angespannt, treten vielleicht sogar Schmerzen auf? So kannst du schnell entgegensteuern. Besser noch: Beug seelischem Stress vor. Wir sagen dir wie.

Tipps zur Entlastung bei seelischer Unruhe im Arbeitsalltag.

  1. Du kannst psychischem Stress vorbeugen, indem du regelmäßig in deiner Mittagspause rausgehst. Iss woanders zu Mittag als zu Hause oder an deinem Schreibtisch. Geh unter Leute oder eine Runde durch den Park. Verabrede dich zum Kaffee mit einem Freund. Die Hauptsache ist, du hast Abwechslung und siehst etwas anderes als deinen Monitor. Schaff Abstand zu deinem Schreibtisch!
  2. Unternimm etwas nach der Arbeit und trenne damit deine Arbeit von deiner Freizeit. Mach Sport, triff Freunde oder geh ins Kino. Verlass deine Wohnung mindestens einmal am Tag, um frische Luft zu schnappen und dich mit anderen Menschen zu unterhalten. Anmerkung: In Zeiten der Corona-Pandemie sind diese Vorschläge teilweise nicht umzusetzen. Für Abwechslung kann man aber trotzdem sorgen. Man sollte Kontakte und sozialen Austausch pflegen, per Telefon oder Video, auch Bewegung an frischer Luft ist möglich.
  3. Kommunizier deinem Arbeitgeber und deinen Kollegen gegenüber offen, wenn du dich bei Gesprächen und Entscheidungen übergangen fühlst. Oft basiert ihr Verhalten auf Unbedachtheit und nicht auf böser Absicht. Deshalb solltest du dein Empfinden offen ansprechen.
  4. Wenn die psychische Belastung zu groß wird, kann dir auf professionellem Weg geholfen werden. Eine Psychotherapie  schafft Abhilfe, kann Betroffene entlasten und sie dabei unterstützen die eigenen Stärken wieder zu nutzen.

Die KNAPPSCHAFT bezahlt ihren Versicherten jeweils bis zu 80 Euro für zwei Gesundheitskurse pro Jahr. Wie wär’s zum Beispiel mit dem Online-Kurs „Stressfrei“? Darin lernst du, wie du mit schädlichem Stress ganz einfach umgehst. Im Alltag bleibt so mehr Energie für Wichtiges.