Lesezeit: 7 Minuten

Geteiltes Leid ist oft halbes Leid.

Stell dir vor, eine werdende Mutter hat ihr Kind verloren. Das ist nun schon zwei Jahre her, doch immer wieder wird sie von ihrer Traurigkeit überwältigt. Für eine Therapie fühlt sie sich nicht bereit. Aber es hilft ihr, sich mit Menschen auszutauschen, die Ähnliches erlebt haben. Wer belastende Themen angehen will, für den gibt es verschiedene Wege. Warum eine Selbsthilfegruppe besonders bei Depression helfen kann, erklären wir dir.

Was eine Selbsthilfegruppe genau ausmacht.

In der Selbsthilfe geht es sehr locker zu. Keine Klinik, keine Untersuchungen, keine Wartezeiten. Und vor allem: keine Anträge und keine Anmeldung. An so einem Zusammenschluss teilzunehmen, ist einfach und unkompliziert.

In der Selbsthilfegruppe fassen die Teilnehmer ihre Gedanken und Fragen, ihre Sorgen und Ängste in Worte. Schaffe ich das? Bin ich schuld? Werde ich jemals wieder ein sorgenfreies Leben führen? Wer sich etwas von der Seele redet, wird sich der Dinge viel bewusster, die ihn beschäftigen. So werden auch die Wege deutlicher, mit diesen Dingen umzugehen.

Je nach Stärke der Krise kann eine Gruppe ein Mitglied auch auffangen. Durch die regelmäßigen Treffen kennen sich die Teilnehmer gut, oftmals kommt es zu einem starken Verbundenheitsgefühl. Alle Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt und niemand muss Angst haben, ein Außenseiter zu sein.

Wer sich in einer Selbsthilfegruppe trifft.

In einer Selbsthilfegruppe kommen Menschen zusammen, die das gleiche Problem oder Anliegen haben. Sie tauschen ihre Erfahrungen und Gedanken mit anderen Betroffenen aus und schöpfen daraus neue Motivation. Die Teilnehmer sind entweder selbst betroffen oder Angehörige von Betroffenen. Denn auch Partner, Eltern, Kinder oder Freunde leiden unter psychischem Druck. 

Eine Leitung – beispielsweise durch einen Arzt oder Therapeuten – gibt es nicht. Die Gruppe organisiert ihre Treffen selbst. Das macht es besonders Neulingen einfach, sich einzufinden.

Themen, die besprochen werden, sind beispielsweise Krankheiten, Behinderungen, Lebenskrisen oder andere belastende Situationen. Dabei bleibt es jedem selbst überlassen, wieviel er von sich preisgibt. Freiwilligkeit ist eine Grundvoraussetzung der Selbsthilfe. Auch schweigen zu dürfen, ist befreiend.

Was eine Selbsthilfegruppe bei Depression bewirkt.

Besonders bei einer Depression bieten Treffen in der Gruppe Unterstützung. „Ich bin nicht allein!” – diese zentrale Erkenntnis ist erleichternd und gibt Sicherheit. Da alle Betroffenen sich mit dem gleichen Problem auseinandersetzen, spüren sie untereinander Verständnis und Rückhalt. Geteiltes Leid ist halbes Leid, lautet ein Sprichwort. Hier wird das greifbar. 

Daneben zeigt der Austausch mit anderen Wege auf: Wie gehen sie mit ihrem Problem um? Wie haben sie es bewältigt? Und wie schaffen sie es, dass es sie nicht erneut überrennt? Diese Beobachtungen von anderen Betroffenen geben Zuversicht und können eine Quelle für praktische Lebenshilfen und Alltagstipps sein.

Austausch bedeutet auch Anschluss. Aus einzelnen Betroffenen werden Leidensgenossen, wird eine Gruppe. Aus einsam wird gemeinsam. Das ist besonders für Menschen wichtig, die sich wegen ihres Problems nach innen gekehrt und von anderen abgewandt haben – beispielsweise bei einer Depression oder Psychose.

Wann eine Selbsthilfegruppe bei Depression infrage kommt.

Wer sich in der akuten Phase einer schweren Depression befindet, der kann sich meist nicht motivieren, an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Das liegt in der Natur der Krankheit. 

Selbsthilfegruppen können aber ein guter erster Anker sein – zum Beispiel beim Warten auf einen Therapieplatz. Bei den Treffen in der Gruppe bieten sich erste Möglichkeiten, wieder mit anderen in Kontakt zu kommen. Und Wege für den eigenen Umgang mit der Erkrankung zu finden.

Mehr über Selbsthilfegruppen erfahren?

Die KNAPPSCHAFT unterstützt das Internetportal www.schon-mal-an-selbsthilfegruppen-gedacht.de. Dort findest du Infos zum Thema und kannst nach einer Gruppe in deiner Nähe suchen.

Warum dir eine Selbsthilfegruppe Sicherheit gibt.

Trotz des lockeren Rahmens bieten die Treffen dir Routine und Sicherheit. Feste Termine und ein beständiger Kern an Teilnehmern sind von großer Bedeutung vor allem bei Selbsthilfegruppen für psychische Erkrankungen. Die Treffen stellen zudem einen geschützten Rahmen dar. Im Kreis von Menschen, die nachempfinden können, wie es dir geht, kannst du einfacher du selbst sein.

Und: Alle Teilnehmer setzen sich aktiv mit ihren Problemen auseinander. Ihr sprecht über Lösungswege. Darüber, wie ihr eure Lebensqualität verbessern können. Dir auf diesem Weg selbst zu helfen, lässt dich deine eigene Stärke (wieder) spüren. Das spendet Hoffnung und macht Mut, das eigene Leben positiv verändern zu können.

Selbsthilfegruppen leisten einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Menschen in Lebenskrisen. Deshalb werden sie von Krankenkassen finanziell gefördert. Wenn du mehr über die Selbsthilfeförderung der KNAPPSCHAFT erfahren willst, informier dich hier.