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Stress verstehen, meistern und vorbeugen.

Stress kann als Reaktionsmuster verstanden werden, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat. Vor allem durch die rasante Veränderung der Lebensgewohnheiten des Menschen. Vor Tausenden von Jahren hatten wir natürlich auch schon Stress. Die natürliche Reaktion deines Körpers darauf hat sich kaum verändert. Früher war es ein gefährliches Tier, das für Stress gesorgt hat. Heute hast du vielleicht einen besonders anstrengenden Job. Stress ist für viele Menschen ein Problem, und chronischer Stress kann dich sogar krank machen. Er wird daher immer mehr zu einer medizinischen Herausforderung. Die Stressmedizin versucht, diese Herausforderung zu meistern. In diesem Beitrag beantworten wir dir folgende Fragen:

  • Stressmedizin, was ist das?
  • Wie arbeitet die Stressmedizin und wie kann sie dir helfen?
  • Was sind Stressoren?
  • Wie kann Stressmedizin in Unternehmen helfen?
  • Ist Stress ausschließlich schlecht?

Stressmedizin, was ist das?

Die Stressmedizin ist ein relativ neues Feld der Medizin. Sie beschäftigt sich ganzheitlich mit dem Patienten. In der Medizin ist es meistens so, dass die Fachkompetenz der einzelnen Ärzte sehr stark ausgeprägt ist. Der Orthopäde hilft dir beispielsweise bei Rückenschmerzen, aber nicht, wenn du einen Tinnitus hast. Die Stressmedizin hingegen bringt alle Fachkompetenzen zusammen und setzt sich ganzheitlich mit deinen Problemen auseinander. Sie schaut also gleichzeitig auf körperliche und soziale wie auch auf mentale Aspekte, da diese viel stärker voneinander abhängen als lange in der Wissenschaft angenommen.

Ärzte und Psychologen sehen sich immer häufiger mit Krankheiten und Störungen konfrontiert, die ihre Ursache in chronischem Stress haben. Deshalb gewinnt die Stressmedizin auch gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung.

Stress erobert den ganzen Körper. Seine Symptome können von ganz unterschiedlichen Fachärzten festgestellt werden: Der Internist diagnostiziert den Reizmagen, der Kardiologe untersucht das Herz, der Orthopäde betrachtet den Rücken, der Psychiater den Geist. Aber keiner sieht das große Ganze. Die Stressmedizin versucht genau das: Sie wirft den Blick über den Tellerrand, bündelt alle Erkenntnisse und fügt sie zu einem großen Bild zusammen.

Dr. med. Matthias Weniger

Vorstand des Instituts für Stressmedizin Rhein Ruhr (ISM) und Experte der KNAPPSCHAFT

Wie arbeitet die Stressmedizin und wie kann sie dir helfen?

  • Diagnostik:

Die Stressmedizin widmet sich – wie alle medizinische Felder – zuallererst der Anamnese/Diagnostik. Mit dem Unterschied, dass der Stressmediziner deine Symptome und deine Situation ganzheitlich betrachtet. Körperliche oder mentale Auffälligkeiten und Probleme spielen bei der Diagnose genauso eine Rolle wie soziale Gesichtspunkte. Das liegt daran, dass unterschiedlichste Aspekte auf dein Stresslevel einwirken können und auch nicht jeder die gleichen Dinge als stressig empfindet. Außerdem muss der Stressmediziner sicherstellen, welche deiner Symptome überhaupt wirklich auf Stress zurückzuführen sind und welche nicht. Dies soll verhindern, dass bestimmte Symptome pauschal als stressbedingt abgetan werden. 

Danach kann sich der Arzt mehr auf die einzelnen Symptome konzentrieren und prüfen, ob und inwieweit dein Stresslevel körperlich messbar ist. Er bestimmt dann zum Beispiel deine Herzratenvariabilität, indem er deine Herzfrequenz misst. Diese ist normalerweise variabel und verändert sich stetig. Ist sie jedoch starr, ist das ein Anzeichen dafür, dass du unter chronischem Stress leiden könntest.

  • Behandlung:

Stressbedingte Erkrankungen und Stress im Allgemeinen sind sehr individuelle Probleme. Aus diesem Grund muss auch deine Behandlung speziell auf deine Bedürfnisse und Probleme zugeschnitten sein und im Verlauf angepasst werden. Dafür ist es sehr wichtig, dass du dir selber erst einmal all deiner Probleme und Bedürfnisse bewusst wirst. Nur dann kannst du auch fokussiert an ihnen arbeiten.

Während der Behandlung zeigt dir der Arzt dann, wie du lernst, bei Stress besser runterzukommen. Hierfür gibt es verschieden Möglichkeiten wie beispielsweise Atemtechniken oder Achtsamkeitsmeditationen. Aber auch Akupunktur oder Sport können bei zu viel Stress hilfreich sein. 

Außerdem setzt ihr euch gemeinsam mit deinen äußeren Stressoren auseinander und schaut, welche überhaupt vorhanden sind, welche du davon beeinflussen kannst und wie dir das am besten gelingt. Daraus kann der Arzt Ansätze für dich erarbeiten, wie du in Zukunft mit Stressoren besser umgehst. Das kann beispielsweise bedeuten, dass du dir für jeden Stressor eine festgelegte Gegenmaßnahme ausdenkst, die du bei Bedarf stets anwenden kannst.

Was sind Stressoren?

Stressoren sind bestimmte Dinge oder Ereignisse, die dich in einen Stresszustand – also deinen Körper in Alarmbereitschaft –versetzen können. Sie sind bei jedem Menschen individuell. Ein Stressor kann alles Mögliche sein, zum Beispiel ein anstehendes Bewerbungsgespräch, ein Streit oder ein unerwartetes lautes Geräusch.

Die meisten Patienten, die Angebote der Stressmedizin in Anspruch nehmen, machen dies zur Vorbeugung. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören unter anderem Bewegung, therapeutische Gespräche, Achtsamkeitstraining oder auch die richtige Ernährung oder Selbstorganisation.

Wie kann Stressmedizin in Unternehmen helfen?

Die Stressmedizin wird auch im Gesundheitsmanagement für Betriebe und Unternehmen angewandt und bringt ihre Themen also auch im organisationalen Kontext mit ein. So können Chefs und Mitarbeiter lernen, gesünder zu führen oder zu arbeiten – vor allem in Teams. Psychische oder körperliche Erkrankungen, die stressbedingt sind, können so deutlich effektiver vorgebeugt werden. Dies ist wichtig, da viele Menschen in ihrem Beruf oft mit zu viel Stress konfrontiert sind. Sie nehmen die negativen Stressgedanken dann oft sogar mit nach Hause und werden noch länger negativ davon beeinflusst. Dies will die Stressmedizin möglichst im Ansatz verhindern und arbeitet deshalb vor allem vorbeugend mit den Betrieben zusammen.

Die drei Schlüsselaspekte der Stressmedizin sind hierbei, und natürlich auch in der individuellen Behandlung:

  • Stress verstehen
  • Stress meistern
  • Stress vorbeugen

Unser Experte vom Institut für Stressmedizin Rhein Ruhr Dr. Matthias Weniger sagt dazu: “Wir müssen raus aus dem fachspezifischen Silo-Denken und den Menschen ganzheitlich betrachten! Wir müssen herausfinden, wer wirklich für Stress verantwortlich ist. Ist es das Individuum, das sich selbst Stress macht? Oder das Unternehmen, in dem es arbeitet? Wie hängt beides zusammen? Diese Fragen müssen geklärt werden. Denn fest steht schon jetzt: Einzelne Gesundheitskurse und maßnahmen werden auf Dauer nicht reichen.”

Ist Stress ausschließlich schlecht?

Die meisten Menschen verbinden mit dem Wort “Stress” etwas Negatives. Jedoch ist Stress für dich und deinen Körper auch notwendig. Ohne Stress hättest du nämlich keine oder nur eine sehr geringe Leistungsfähigkeit. Er ist nur dann schlecht für dich, wenn es zu viel wird.

Stress hilft dir nachweislich dabei, deine Leistung zu steigern. Jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn dein Stresslevel zu hoch steigt, dann nimmt auch deine Leistungsfähigkeit wieder ab und du kannst sogar erkranken. Lernst du dagegen, dein Stresslevel zu kontrollieren, kannst du damit deine Leistung verbessern. Das beschert dir mehr Lebensqualität. Und genau hier kann dir die Stressmedizin helfen.

Mit dem Online-Kurs „Stressfrei“ lernst du, wie du mit schädlichem Stress ganz einfach umgehst. Das Beste daran: Der Kurs ist für Versicherte der KNAPPSCHAFT kostenfrei. Du bekommst pro Jahr für zwei Gesundheitskurse jeweils bis zu 80 Euro.