Lesezeit: 10 Minuten

Wir erklären dir das ungefährliche Phänomen.

Die Reisekrankheit wird durch einen Sinneskonflikt zwischen dem Bewegungsapparat, dem Auge und dem Gleichgewichtssinn ausgelöst. Der Fachbegriff der Reisekrankheit, Kinetose, leitet sich vom griechischen Wort „kinein“ (zu Deutsch „bewegen“) ab. Eine Kinetose äußert sich beispielsweise in starker Müdigkeit, Schwindel oder Erbrechen. Sie tritt häufig auf Bus-, Auto- und Zugfahrten oder im Flugzeug auf, ist in der Regel aber vollkommen ungefährlich. Wir erklären dir, was die Reisekrankheit genau ist und wie du dich auf sie vorbereiten kannst.

  • Symptome und Verlauf der Kinetose oder Reisekrankheit.
  • Behandlungsmöglichkeiten, wenn dich die Reisekrankheit plagt.
  • Verschiedene Ursachen und Arten der Reisekrankheit.
  • Wer ist anfällig für die Kinetose?
  • So genießt du deine Reise ohne Komplikationen.

Symptome und Verlauf der Kinetose oder Reisekrankheit.

So fängt es meist an: Vom einen auf den anderen Moment schwingt die Vorfreude auf die Reise in Unlust um. Zittern, nasse Hände und ein ganz unwohles Gefühl im Magen. Die Gedanken sind abwesend und eigentlich willst du nur noch weg. Dabei sollte die Reise eigentlich etwas Positives für dich sein. Was noch hinzukommen kann: plötzliche Übelkeit und Erbrechen. Der Körper signalisiert dir, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dein Gleichgewichtssinn ist gestört, denn seine Wahrnehmung stimmt nicht mit der deines Auges überein.

Diese Symptome zeigen sich bei der Reisekrankheit:

  • Müdigkeit und Lethargie, häufiges Gähnen, Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen
  • kalter Schweiß, Blässe, Mattigkeit
  • schneller Pulsschlag und niedriger Blutdruck
  • Schwindel und Übelkeit
  • Speichelfluss, Brechreiz und Erbrechen

„Die Reisekrankheit ist streng genommen keine Krankheit, sondern ein Schutzmechanismus des Körpers. Er reagiert wie bei einer Vergiftung und versucht, schädliche Stoffe aus dem Magen rauszuspülen. Deswegen wird dir übel oder du erbrichst. Schweißausbrüche und ein schneller Herzschlag sollen das Blut dazu möglichst schnell von Giftstoffen befreien.“

Dr. Markus Bruckhaus-Walter

Facharzt für Allgemeinmedizin und Experte der KNAPPSCHAFT

Tipps für eine Reise ohne Reisekrankheit:

  • genügend Schlaf
  • nicht auf leeren Magen losfahren
  • ausreichend Wasser trinken
  • vor Reiseantritt auf Alkohol verzichten
  • Koffeinkonsum eindämmen
  • leichtes, nicht fettiges oder schwer verdauliches Essen zu sich nehmen
  • kontrollierte, regelmäßige Atmung
  • schnelle Kopfbewegungen vermeiden

Behandlungsmöglichkeiten, wenn dich die Reisekrankheit plagt.

Du möchtest dich gerne auf alle Fälle gefasst machen? Dann kannst du versuchen, der Reisekrankheit von vornherein entgegenzuwirken. Ein Hausmittel für einen unruhigen Magen ist beispielsweise Ingwer. Als Tee aufgebrüht wirkt er Wunder. Deswegen statte dich für deine nächste Reise am besten mit einer Kanne Ingwer-Tee aus.

Wenn das nicht hilft, kannst du auch schon mal zu Medikamenten greifen, die ein Antihistaminikum enthalten. Sie wirken der Stressreaktion deines Körpers und den Beschwerden entgegen. Diese Präparate helfen, wenn es unterwegs brenzlich wird:

  • Reisetabletten mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat wirken vorbeugend zur Behandlung der typischen Symptome der Reisekrankheit
  • homöopathische Mittel mit dem Wirkstoff Cocculus (auch für Kinder ab einem Jahr)

Allerdings solltest du auf Medikamente verzichten, wenn du selbst ein Fahrzeug führst. Denn die Mittel beruhigen den Körper und verlangsamen somit auch die Reaktionszeit. Alternativ kannst du zu Reisekaugummis greifen, manchmal reicht das schon.

Daneben kann es auch hilfreich sein, zu schlafen oder sich in eine waagerechte Position zu legen. Im Schlaf wird der Gleichgewichtssinn, der hauptsächlich für die Reisekrankheit verantwortlich ist, ausgeschaltet. Wenn das nicht möglich ist, kannst du auch die Augen schließen, da dein Körper dann ebenfalls keine visuellen Reize mehr verarbeiten muss.

Verschiedene Ursachen und Arten der Reisekrankheit.

Die Reisekrankheit lässt sich auf einen Sinneskonflikt zwischen dem visuellen System und dem Gleichgewichtssystem zurückführen. Durch die uneinheitlichen Bewegungen melden die Systeme unterschiedliche Sinneseindrücke. Wenn du zum Beispiel ein Buch liest oder auf dein Smartphone schaust, nehmen deine Augen die Umgebung statisch wahr. Sitzt du dabei im Auto, registriert dein Gleichgewichtsorgan gleichzeitig eine Bewegung. Es entsteht eine Stressreaktion, weil das Gehirn die Hormone Histamin und Serotonin ausschüttet. Histamin löst im Brechzentrum des Gehirns die Reaktionen aus, die zu den Symptomen der Reisekrankheit führen (zum Beispiel Übelkeit und Übergeben).

Die Reisekrankheit äußert sich übrigens nicht nur auf Reisen. Sie kann auch in Freizeitparks und auf Jahrmärkten, Achterbahnen und Seilbahnen, im Helikopter oder beim Skifahren auftreten. Zudem haben viele Menschen bei einem Elefanten- oder Kamel-Ritt damit zu kämpfen. Auch bei Scheinbewegungen kann es zu den plagenden Symptomen kommen. Man spricht dann von einer Pseudokinetose. Sie tritt beispielsweise im Kino, Simulator oder bei Videospielen mit oder ohne Virtual-Reality-Brille auf.

Fun Fact: Auch Fische können beim Transport im Aquarium reisekrank werden!

Diese Faktoren begünstigen oder „triggern“ die Reisekrankheit:

  • Migräne
  • bestimmte Gerüche
  • Angst und andere psychische Faktoren
  • Schwangerschaft
  • individuelle Empfindlichkeit
  • Alkoholgenuss

Wer ist anfällig für die Kinetose?

Die Reisekrankheit hatte wahrscheinlich jeder schon mal – mehr oder weniger stark ausgeprägt. Sie ist ein weit verbreitetes, aber ungefährliches Phänomen. Für Betroffene stellt sie oft dennoch eine starke Belastung dar. Schätzungen zufolge haben fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung eine besonders hohe Anfälligkeit für die Reiseübelkeit oder Reisekrankheit.

Wie anfällig eine Person ist, hängt meist vom Alter ab. „Kleinkinder bis zwei Jahre sind nicht betroffen, da ihr Gleichgewichtssinn noch nicht ausgeprägt genug ist. Kinder zwischen zwei und zwölf hingegen sind besonders anfällig. Außerdem ist nachgewiesen, dass Frauen eher mit einer Reisekrankheit reagieren. Dies hängt mit dem Hormonhaushalt zusammen“, erklärt Dr. Markus Bruckhaus-Walter. Ärzte haben rausgefunden, dass die körperliche Reaktion bei Frauen zu verschiedenen Zeiten des Zyklus stärker oder milder ausfallen kann. Generell gilt allerdings, dass jeder Reisende in allen Lebensphasen anfällig für die Krankheit sein kann.

So genießt du deine Reise ohne Komplikationen.

Je nach Art der Reisekrankheit kannst du dich unterschiedlich vorbereiten. Dann bleibt dir meist das Schlimmste erspart. Generell gilt: Sorg dafür, dass du ausreichend geschlafen und genügend gegessen hast, bevor du deine Reise antrittst. Die folgenden Tipps helfen dir bei deiner nächsten Reise.

Beim Autofahren

Wenn du häufig beim Autofahren von der Reisekrankheit geplagt wirst, kann es helfen, wenn du selbst fährst oder zumindest vorne sitzt. Dort kannst du aufmerksam die Straße beobachten. Öffne häufig das Fenster und mach Pausen, um dir die Beine zu vertreten. So wird der Körper gut mit Sauerstoff versorgt. Auch wenn es schwerfällt: Schau nicht ständig auf das Smartphone und verzichte während der Fahrt aufs Lesen.

Auf hoher See

Auf dem Wasser hilft es, sich möglichst in der Mitte des Bootes oder Schiffes aufzuhalten. Dort ist der Wellengang am wenigsten zu spüren. Außerdem solltest du lieber an Deck bleiben. Wenn möglich, beobachte einen Punkt am Horizont. Bei längeren Reisen, etwa auf einer Kreuzfahrt, lassen die Beschwerden nach drei bis vier Tagen nach. Der Körper hat sich dann an die Umstände auf See gewöhnt.

Bei Bus- und Bahnreisen

Beachte alles, was auch für das Autofahren gilt. Selbstverständlich kannst du hier nicht selbst fahren, aber du kannst dir einen Sitzplatz vorne im Fahrzeug suchen. Dort kannst du die Straße besser beobachten. Und dein Gehirn nimmt wahr, dass du dich in einem fahrenden Fahrzeug befindest. Wenn du mit der Bahn unterwegs bist, wähl einen Platz am Fenster und setz dich in Fahrtrichtung. Auch regelmäßiges Aufstehen hilft.

Im Flugzeug

Um möglichen Strapazen im Flugzeug vorzubeugen, buch dir am besten einen Platz am Fenster. Bestenfalls sitzt du auch direkt über den Tragflächen. Dort spürst du von den Erschütterungen in der Luft etwas weniger als auf anderen Plätzen. Bei Langstreckenflügen kann es helfen, zwischendurch aufzustehen. Durch das Auf- und Abgehen wird die Durchblutung angeregt und der Kreislauf in Schwung gebracht.

Du hast eine Frage zu Arzneitmitteln gegen die Reisekrankheit? Versicherte der  KNAPPSCHAFT können sich kostenlos zu medizinischen Fragen beraten lassen.